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Mutter-Kind-Kur: Auszeit vom Alltag

Wenn Familie und Beruf krank machen, kann eine Mutter-Kind-Kur helfen. Unsere Expertinnen sagen, wie der Antrag klappt


Kraftquelle Kur: Mütter und Kinder schöpfen neue Energie

Eltern sein ist wunderschön. Aber der Job hat es in sich: rund um die Uhr die Kleinen füttern, pflegen und erziehen, dabei die Verantwortung tragen. Manchmal kann das krank machen. Weil Mütter und Väter besondere Belastungen meistern, dürfen sie sogenannte Mutter-Kind- bzw. Vater-Kind-Kuren in Anspruch nehmen. Wie das funktioniert, erklären Friederike Otto, Leiterin des Forschungsverbundes Prävention und Rehabilitation für Mütter und Kinder, und Anne Schilling, Geschäftsführerin der Elly Heuss-Knapp-Stiftung:

Wer hat Anspruch auf eine Kur?

Eltern dürfen alle vier Jahre eine Kur als Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahme machen, sofern dies medizinisch notwendig ist. In der Regel dauert der Aufenthalt drei Wochen. Im Jahr 2007 machten über 130.000 Mütter und Väter davon Gebrauch. „Bei den Betroffenen kommen meist mehrere Faktoren zusammen, wie Erschöpfung bis zum Burn-out, Depressionen, Kopf- und Rückenschmerzen, Schlaf- und Essstörungen“, erklärt Friederike Otto. Anne Schilling ergänzt: „Fast alle, die sich zu einer Kur entschließen, haben etliche Arztbesuche und ambulante Therapien hinter sich.“ Zeitdruck, das ständige Dasein für die Familie, verbunden mit Geld- und Beziehungsproblemen lösen die Beschwerden aus.



Anne Schilling ist Geschäftsführerin der Elly Heuss-Knapp-Stiftung

Was passiert bei einer Kur?


Viele Mutter-Kind-Einrichtungen befinden sich an der See oder in den Bergen. „Eine Kur ist aber kein Urlaub, sondern erfordert Mitarbeit“, sagt Expertin Otto. Um Haushalt und Kinder müssen sich die Mütter und Väter nicht kümmern, dafür nehmen sie an Physiotherapie, Rückengymnastik, aber auch Sozialtherapie, Ernährungs- oder Erziehungsberatung teil. „Das Besondere ist der ganzheitliche Ansatz“, erklärt Anne Schilling. Die Ärzte vor Ort stimmen den Therapieplan individuell ab, oft gibt es auch einen für den Nachwuchs. Denn mehr als 60 Prozent der Kinder werden ebenfalls behandelt.


Wie beantragt man eine Kur?


Den Kurantrag erhält man bei der Krankenkasse, beim Müttergenesungswerk oder den Mutter-Kind-Kliniken. Der Arzt muss ein Attest ausstellen und die Beschwerden beschreiben. Wenn das Kind auch eine Behandlung benötigt, muss der Kinderarzt dies bescheinigen. Die Atteste werden mit dem Kurantrag und gegebenenfalls einem Selbstauskunftsbogen an die Krankenkasse geschickt.


Im ersten Halbjahr 2009 lehnten die Kassen 29 Prozent aller Anträge ab. Es lohnt sich aber, Widerspruch einzulegen. „Fast 50 Prozent der zunächst abgelehnten Anträge wurden schließlich doch noch genehmigt“, so Schilling.


Wie hoch sind die Kosten?


Gesetzlich Versicherte – außer Kindern – müssen einen Eigenanteil zahlen. Dieser beträgt pro Tag zehn Euro plus maximal zehn Euro Fahrtkosten. Wer ein geringes Einkommen hat, kann sich teilweise befreien lassen. Privat Versicherten ermöglicht der Basistarif eine Mutter- oder Vater-Kind-Kur. Bitte fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach!


Wo und wann findet die Kur statt?


Versicherte haben ein Wunsch- und Wahlrecht, das die Kassen berücksichtigen müssen. Das heißt: Mütter und Väter können aus gut 150 Kureinrichtungen wählen und dies beim Kurantrag angeben. Es gibt viele private Kliniken, aber mehr als die Hälfte gehört zum Müttergenesungswerk. „Doch nicht jede Klinik ist für jede Frau geeignet“, sagt Friederike Otto. Expertin Anne Schilling betont: „Eine Kur kann nur erfolgreich sein, wenn das Haus passt.“ Deshalb sollte man sich genau informieren. Das wesentlichste Kriterium sind die Therapieangebote. Frauen mit einem Burn-out benötigen andere Maßnahmen als Mütter, die an chronischen Schmerzen leiden. Daneben spielen Kinderbetreuung, Größe und Lage der Einrichtung eine Rolle. 


Wurde der Antrag genehmigt, sollte die Kur bald beginnen. „Viele Häuser bieten schulbegleitenden Unterricht für die Kinder“, sagt Schilling. Man ist also nicht auf die Ferienzeit beschränkt.


Wo kann ich mich beraten lassen?


Bundesweit gibt es etwa 1400 Beratungsstellen des Müttergenesungswerks. Hier informieren Expertinnen kostenlos zu Voraussetzungen, Erwartungen und Finanzierung der Kur. Sie unterstützen beim Ausfüllen des Antrages und bei der Suche eines geeigneten Hauses. Die Beraterinnen wissen, wie die Kinderbetreuung organisiert ist. Eine Beratungsstelle in Wohnortnähe findet man im Internet auf www.muettergenesungswerk.de (www.baby-und-familie.de übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten) oder per Telefon: 030/33002929.


Und nach der Kur?


Befragungen des Hannoveraner Forschungsverbunds mit mehr als 7000 Teilnehmerinnen ergaben, dass es den Müttern nach einer Kur deutlich besser ging. Sie hatten seltener Schmerzen, nahmen weniger Medikamente und waren zufriedener. Und auch die Kinder zeigten sich deutlich gesünder. Friederike Otto: „Diese Effekte hielten auch noch zwölf Monate nach der Kur an.“



Peggy Elfmann / Baby und Familie; 24.03.2010, aktualisiert am 20.06.2011
Bildnachweis: W&B/Anne Schilling - MGW, Look GmbH/Hauke Dressler

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