Betreuung: Was ist ideal fürs Kind?

Kinder gehen heute immer früher in Betreuungseinrichtungen. Fördert das Ihre Entwicklung? Und was macht eine gute Kita aus?

von Daniela Frank, aktualisiert am 01.04.2016

Wenn Eltern ihr Kind in die Kita geben, wollen sie es gut betreut wissen

Thinkstock/Stockbyte

Mehr Betreuungsplätze gleich mehr Kinder: Dass diese Rechnung gilt, zeigte Anfang 2014 eine im Auftrag des Familienministeriums erstellte Studie. Das Geld, das der Staat in die Kinderbetreuung steckt, trage im Vergleich zu anderen Leistungen am stärksten dazu bei, dass Paare ihren Kinderwunsch erfüllen. Schon ein Jahr zuvor kam eine andere Erhebung zu demselben Ergebnis. Dort hieß es weiter: Die meisten Eltern beurteilten ihre Betreuungseinrichtung als "besonders wichtig für ihre Familie" und schätzen daran, dass ihre Kinder Kontakt zu anderen haben und ihre Entwicklung gefördert wird. Mit der Qualität waren rund 90 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden. Die sogenannte Nubbek-Studie kam im Sommer 2013 allerdings zu einem anderen Ergebnis: Die Qualität der Betreuung in Deutschland sei nur mittelmäßig.


Es herrscht also Ungewissheit am entscheidenden Punkt. Denn vor allem auf die Qualität kommt es laut Experten bei der Betreuung an. "Ob das Kind von einer Tagesmutter, in der Krippe oder in der Familie betreut wird, ist nicht entscheidend", sagt Dr. Walter Bien, der am Deutschen Jugendinstitut in München die Studie "AID:A – Aufwachsen in Deutschland" leitet. "Wichtig ist, dass es konstante Bezugspersonen hat, die sich gut kümmern." Eine erwerbstätige Mutter, die regelmäßig abends gezielt Zeit mit Ihrem Kind verbringt, sei der Entwicklung förderlicher, als eine Mutter, die zwar immer da ist, sich aber nicht intensiv mit dem Kind beschäftigt.

Wann soll ein Kind in die Krippe?

Ab welchem Alter der Nachwuchs gut in einer Betreuungseinrichtung aufgehoben ist, hängt vom jeweiligen Kind ab. Manche sind kontaktfreudiger und brauchen mehr Anregung von außen, andere weniger. "Wenn das Kind die ersten anderthalb Jahre bei den Eltern bleibt, ist dies für Kinder und Eltern eine sehr wichtige und prägende Zeit", sagt Bien. "Aber es richtet keinen Schaden an, wenn der Nachwuchs früher in die Krippe geht." Kinder könnten sich hervorragend auf verschiedene Situationen einstellen. Sein Rat: Auf die eigenen Bedürfnisse und die des Kindes hören und individuell entscheiden.

Wichtig: Konstante Bezugspersonen

Und dann besser zur Oma oder zum Profi-Pädagogen? "Auf die Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit der Betreuungsperson kommt es an", sagt Bien. "Vor allem kleine Kinder brauchen über eine gewisse Zeit hinweg konstante Bezugspersonen." Und die bekommen sie bei ihren Großeltern oft eher, als von möglicherweise überlastetem Krippenpersonal. Denn die Vorgaben des Betreuungsschlüssels, der sicherstellen soll, dass genügend Betreuer für eine Gruppe von Kindern vorhanden sind, werden oft kritisiert und teilweise auch nicht eingehalten. Außerdem besteht zwischen Großeltern und Kind meist eine spezielle Bindung. "Sie ist schwer aufzukündigen und hängt nicht von Bezahlung oder ähnlichem ab", sagt Bien. Krippenpersonal kann wechseln. Und ein Wechsel bedeutet Stress fürs Kind. "Manche können damit besser umgehen, manche weniger gut", erklärt Bien. "Hat das Kind eine oder ein paar sehr verlässliche Bezugspersonen wie Mama, Papa und Oma, kann es den Wechsel einer Betreuerin in der Regel gut verkraften." Brechen mehrere oder entscheidende Bezugspersonen weg, könne das aber sehr belastend sein.

Alles anders als zuhause: Ist das ein Problem?

Doch nicht allen Eltern steht eine fitte, betreuungswillige Oma in Wohnortnähe zur Verfügung. Und wenn, dann macht sie ihnen vielleicht vieles nicht recht. Gummibärchen statt Karottensticks? Geht gar nicht! "Eltern regen sich da meist viel zu sehr auf", sagt Bien. "So etwas ist kein Problem, im Gegenteil." Für Kinder sei es gut, unterschiedliche Kontexte kennenzulernen. Andere Orte mit anderen Regeln zeigen dem Kind, dass je nach Situation ein unterschiedliches Verhalten erforderlich ist. "Deshalb sollten Eltern nicht versuchen, die Großeltern dazu zu bringen, alles so zu machen wie sie selbst", sagt Bien. "Dasselbe gilt natürlich andersherum." Und auch in der Kita gelten meist andere Regeln als zuhause. Die meisten Einrichtungen folgen einem ausgeklügelten pädagogischen Konzept. Da gibt es solche mit kreativem Schwerpunkt, alternativen Ansätzen oder den Waldkindergarten – wie entscheiden sich Eltern am besten? "Am wichtigsten ist, dass Eltern und Krippe harmonieren", sagt Bien. "Wenn es da Unstimmigkeiten gibt, wirkt sich das negativ aufs Kind aus."

Wann sollten Kinder spätestens in Betreuung?

Als größter Vorteil von Betreuungseinrichtungen gilt: Das Kind trifft mit anderen Kindern zusammen, muss sich in der Gruppe zurecht finden. Das kann soziale Kompetenzen stärken und beim Lernen helfen. Denn Kinder eignen sich Fähigkeiten gerne an, indem sie sie sich bei anderen abschauen. Gleichaltrige Kinder sind da ein gutes Vorbild. Also das Kleine möglichst früh in die Kita geben? "Ab wann ein Kind deswegen in die Kita sollte, ist auch wieder individuell verschieden", sagt Bien. "Wenn es viele Geschwister hat oder ständig mit Nachbarskindern spielt, hat das denselben Effekt." Spätestens mit drei oder vier Jahren sei der Kitabesuch dann aber sinnvoll: Als Vorbereitung auf die Schule.



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