Wie funktioniert breifreie Beikost?

Karottensticks oder Melone schon mit sechs Monaten: Das Baby sucht sich selbst aus, was es essen will. Klappt Beikost ohne Brei?
von Barbara Weichs, aktualisiert am 17.11.2016

Nahrungsmittel selbst nehmen und essen: Das ist die Idee der Beikost ohne Brei

Fotolia/redpepper82

Fingerfood statt Brei – da machen manche Babys sofort mit: Sie lutschen und kauen mit Genuss auf Gemüse und Obst herum. Baby-led weaning nennt sich der Trend, den auch in Deutschland viele Eltern ausprobieren. "Beikost nach Bedarf" wird die Methode hier genannt. Dabei essen die Kleinen von Anfang an am Familientisch mit, bekommen das, was auch die Großen essen – weich gekocht, aber nicht püriert. Und sie dürfen selbst zugreifen und entscheiden, was sie wollen. Gerade für Eltern, deren Kind keinen Brei will, kann das eine gute Alternative sein. "Bei dieser Methode steht im Vordergrund, dass das Baby neue Erfahrungen sammelt, neue Geschmäcker kennenlernt und an den Familienmahlzeiten teilnimmt", sagt die Hebamme Regine Gresens, ehemals Beauftragte für Stillen und Ernährung beim Deutschen Hebammenverband in Hamburg.


Maria Flothkötter leitet das Netzwerk „Gesund ins Leben“ und arbeitet beim aid infodienst e.V. in Bonn

M. Ebersoll

Beikost ohne Brei: Die Voraussetzungen

Wichtig ist, dass das Baby mit wenig Unterstützung sitzen und seinen Kopf halten kann. Außerdem greift es bereits gezielt nach Gegenständen und kann sich Dinge in den Mund stecken. Sein Zungenstoßreflex ist weg, und es interessiert sich zunehmend fürs Essen. "Nicht das Alter eines Babys ist entscheidend, sondern dass es diese typischen Zeichen für die Beikostreife zeigt", erklärt Gresens. Zwischen dem siebten und neunten Monat tun das die meisten Babys. Allerdings empfehlen Experten das ausschließliche Stillen nicht über den sechsten Monat hinaus. "Spätestens Anfang des siebten Monats sollte mit Beikost begonnen werden", sagt Maria Flothkötter vom Netzwerk "Gesund ins Leben" aus Bonn. Wer ­Baby-led weaning machen möchte, muss für sich entscheiden, wie er damit umgeht.


Regine Gresens ist Hebamme sowie Still- und Laktationsberaterin IBCLC

W&B/Martin Mikosch

Nahrungsmittel: Viel weiches Gemüse

Im Grunde können Eltern ihrem Baby alles anbieten, was auch für die Breikost empfohlen wird – in handliche Stücke geschnitten und je nach Nahrungsmittel weich ge­gart. Es dürfen jedoch nur gesunde Speisen auf den Tisch! Fast Food ist tabu. "Die Lebensmittel sollten außer­dem möglichst ungewürzt, weder gesalzen noch gezuckert sein", sagt Regine Gresens. Babys mögen zwar gern kohlenhydrat­reiche Nahrungsmittel wie Brot, Kartoffeln, Nudeln oder Reis, sie sollten aber nur Beilage sein. Gemüse wie etwa Brokkoli oder Karotten müssen so weich gedüns­tet sein, dass sie das Kleine im Mund zerdrücken kann. "Wie auch bei der Breizubereitung sollte das Gemüse mit etwas Öl angereichert sein, damit auch die fettlöslichen Vitamine aufgenommen ­werden können", erklärt die ­Hebamme. Zudem sind weiche Obstsorten wie Melone (­ohne Kerne) oder Birne möglich, aber auch gekochter Fisch ohne Gräten und Fleisch. Während Fisch ­ohne Zähne gegessen werden kann, lutscht ein Baby an einem Fleisch­stück nur herum, nimmt ­also auch keine Nährstoffe daraus auf.

Die Nahrungsmittel muss man nicht nach einer bestimmten Reihenfolge einführen. "Allerdings ist es ratsam, ein Baby nicht aus zu vielen Lebensmitteln bei ­einer Mahlzeit auswählen zu lassen, das überfordert es. Zwei bis drei ­Dinge auf einmal reichen", ergänzt ­Maria Flothkötter. Ansonsten gelten ­alle Empfehlungen wie bei der Brei-Einführung, zum Beispiel keinen Honig und keine Rohmilch im ersten Lebensjahr. Auch Beeren, Nüsse oder Erbsen haben nichts auf dem Teller der Kleinen verloren, hier ist die Gefahr des Verschluckens zu groß.

Vor- und Nachteile von Baby-led weaning

Alle sind entspannter. "Die Methode erlaubt dem Kind, das Essen in seinem Tempo zu lernen", sagt Regine Gresens. Wer dazu die Zeit hat – wunderbar. Wer jedoch gerade den Wiedereinstieg in den Job plant, sollte es sich überlegen, ob er mit dieser Methode sein Kind an feste Nahrung heranführt. Denn die Kleinen essen nicht sehr viel pro Mahlzeit, wenn sie sich selbst bedienen dürfen. Das Ganze ermüdet sie einfach schneller. "Das Kind braucht also mehr Milchmahlzeiten zusätzlich als bei der Breikost, um satt zu werden", erklärt Maria Flothkötter. Es kann deshalb länger dauern, bis ­­einzelne Stillmahlzeiten komplett durch feste Nahrung ersetzt sind.

Breifreie Beikost: Die Forschungslage

"Momentan ist die Studienlage extrem dünn", sagt Maria Floth­kötter. Es gebe jedoch Hinweise darauf, dass Baby-led weaning ein Unter­ernährungsrisiko bergen kann und die Kinder nicht immer ausgewogen ernährt seien. "Wir sind wissenschaftlich nicht an dem Punkt, Baby-led weaning als Ernährungsform für Säuglinge zu empfehlen", erklärt Flothkötter. "Es spricht aber vermutlich nichts dagegen, dem Baby die Beikostzutaten unpüriert anzubieten, wenn es diese so essen möchte und es weiterhin gut gedeiht."



Mutter mit Kleinkind auf dem Schoß am Laptop

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Mutter mit Kind arbeitet vor dem Laptop

Entwicklungsnewsletter

Erhalten Sie alle zwei Wochen Infos zum ersten Lebensjahr Ihres Kindes »

Wie lange haben Sie Ihr Kind gestillt?

Haben sie andere Freunde, seit Sie Eltern sind?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages