Kann man schon Babys vegetarisch ernähren?

Wenn Eltern ihr Kind fleischlos ernähren wollen, sollten Sie wissen, wie sie fehlende Nährstoffe ersetzen können. Und: Je mehr Nahrungsmittel sie weglassen, desto eher droht ein Mangel

von Daniela Frank, aktualisiert am 17.11.2016

Kleine Vegatarier: Nur Gemüse fürs Baby – fehlt da was?

Fotolia/Brebca/2010

Zweifelhafte Zustände in der Massentierhaltung, übermäßiger Antibiotikaeinsatz, vollgestopfte Tiertransporte – immer mehr Menschen verzichten aus ideologischen Gründen auf Fleisch. Verständlich, dass sie sich darüber Gedanken machen, ob sie auch ihre Kinder vegetarisch ernähren können. "Die primäre Empfehlung ist ein gesunder Lebensstil zusammen mit einer ausgewogenen Optimierten Mischkost", sagt Prof. Dr. Mathilde Kersting, stellv. Leiterin des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE). "Und die enthält auch Fleisch."

Das FKE habe jedoch seit Jahren immer wieder Anfragen erhalten, ob und wie Babys und Kinder vegetarisch ernährt werden können. Deshalb haben die Wissenschaftler reagiert und entsprechende Empfehlungen herausgegeben. "Die fleischlose Kost ist gemessen an der Optimierten Mischkost, eine Ernährung zweiter Wahl, für die wir jedoch keine gravierenden Risiken sehen", sagt Kersting. Damit das Kind alle wichtigen Nährstoffe bekommt, sollten Eltern einige Punkte beachten.


Eisen für Schwangere und in der Beikost wichtig

Das geht schon im Mutterleib los: Schwangere sollten auf eine ausreichende Eisenzufuhr achten. Ihr Bedarf ist während der neun Monate höher als sonst, da die Eisenspeicher des Babys angelegt und gefüllt werden. Vegetarierinnen können ihre Eisenversorgung mithilfe einer entsprechenden Ernährung sicherstellen, die Vollkornprodukte oder Hülsenfrüchte mit Vitamin-C-haltigem Obst und Gemüse kombiniert.

Während der Stillzeit füllen sich die Speicher der Mutter in der Regel wieder, denn über die Muttermilch gibt ihr Körper kaum Eisen an das Baby ab. Das Kleine braucht dagegen sein gespeichertes Eisen dann zum Großteil auf. Nach dem Stillen ist deshalb eisenreiche Beikost sehr wichtig. "Auch hier sind fleischhaltige Breie in Deutschland die erste Wahl", sagt Kersting. "Für Vegetarier haben wir eine Ersatzlösung gefunden." Statt des Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Breis, der laut Beikostplan ab dem fünften bis siebten Monat empfohlen wird, eignet sich ein Gemüse-Kartoffel-Getreide-Brei.

Ist vegetarische Ernährung gleichwertig?

Warum gilt vegetarische Ernährung als zweite Wahl? "Ob der fleischlose Ersatz genauso gut ist, lässt sich schwer feststellen", sagt Kersting. Um das zu untersuchen, bräuchte man zwei Gruppen von Kindern, von denen sich die eine nach der primären Empfehlung, also ausgewogen und fleischhaltig ernährt. Die andere dürfte sich nur darin davon unterscheiden, dass sie das Fleisch durch die empfohlenen Alternativen ersetzt. Eine solche Situation sei praktisch unmöglich herzustellen.

Dennoch weiß man heute viel über die Nährstoffe, die wir – und unsere Kinder – brauchen. Sie alle sind in der empfohlenen fleischhaltigen Mischkost enthalten. Fleisch allein lässt sich gut ersetzen. Aber je mehr Nahrungsmittel man weglässt, desto eher droht ein Mangel. "In der Praxis gibt es unterschiedliche Ausprägungen von Vegetariern", sagt Kersting. "Manchen Eltern ist es lediglich wichtig, auf Fleisch zu verzichten, nicht aber auf Fisch. Andere lassen auch Fisch, Eier und möglicherweise sogar Milchprodukte weg." In der Literatur wird zwischen drei Typen unterschieden: Ovo-Lacto-Vegetarier essen kein Fleisch und keinen Fisch, Lacto-Vegetarier verzichten außerdem auf Eier und Veganer auch auf die übrigen tierischen Nahrungsmittel wie Milchprodukte und Honig.

Von veganer Ernährung raten Experten ab

Nährstoffe, auf die außer Eisen in der vegetarischen Beikost zu achten ist, sind Zink und Vitamin B12. "Beide bekommt man über Kuhmilch, Vitamin B12 außerdem über Fisch und Ei", sagt Kersting. "Möchten Eltern ihr Kind vegan ernähren, sollten sie also in jedem Fall mit ihrem Kinderarzt Rücksprache halten." Dieser werde womöglich noch einen Ernährungsberater hinzuziehen. Häufig erstellt dann der Experte zusammen mit den Eltern über einen längeren Zeitraum hinweg ein Ernährungsprotokoll. Aus den Angaben schätzt er ab, ob dem Kind Nährstoffe fehlen. Er berät die Eltern, wie sie den Mangel ausgleichen können.

"Vegane Ernährung bei Kindern kann nur funktionieren mithilfe von Nährstoffsupplementen", sagt Kersting. "Und das ist immer eine Notlösung, zu der man nicht raten kann." Auch Schwangeren und stillenden Veganerinnen empfiehlt sie, sich an ihren Arzt zu wenden. "Vermutlich werden sie zumindest Vitamin B12 ersetzen müssen." Hat der Arzt oder der Ernährungsberater den Verdacht, dass die Ernährung zu einseitig ist, kann eventuell eine Blutuntersuchung nötig sein. "Generell wird aber nicht empfohlen, die Blutwerte regelmäßig zu kontrollieren", sagt Kersting.

Wie wichtig ist Fisch?

Im Beikostplan des FKE ist vorgesehen, den Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei einmal pro Woche durch einen Gemüse-Kartoffel-Fisch-Brei zu ersetzen. "Fisch wird als Bestandteil der Beikost empfohlen, da eine frühe Gewöhnung nachweislich Allergien vorbeugen kann", sagt Kersting. Bei vegetarisch ernährten Kindern könne das ein Problem sein.

Aber nicht nur Eltern, auch schon Kinder selbst bestehen häufig auf vegetarischer Ernährung. Was sollen Mutter und Vater dann beachten? "Dem Kind Auflagen zur Ernährung zu machen, halte ich für kontraproduktiv", sagt Kersting. "Da sollte man Ruhe bewahren und sich auf das Wissen berufen, dass es auch ohne Fleisch geht." Auch dann stellt die Kombination aus Vollkorn oder Hülsenfrüchten mit Vitamin C die Eisenversorgung sicher: Zum Beispiel in Form von Vollkornnudeln mit Paprika, Müsli aus Haferflocken und Apfel oder Auflauf aus Vollkornreis mit Tomatensalat.

"Eiweiß muss nicht ersetzt werden, davon enthält auch pflanzliche Nahrung genug", sagt Kersting. "Dass Sojaprodukte als Fleischersatz nötig sind, ist ein Mythos." Für Kinder unter zwei Jahren ist Soja wegen der darin enthaltenen Phytosterine ohnehin in größeren Mengen nicht zu empfehlen.



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