Wie sieht der perfekte Kinderwagen aus?

Luftgefüllte Räder oder abnehmbare Babyschale? Unsere Expertin erklärt, worauf Sie beim Kauf eines Kinderwagens achten sollten

von Julia Jung, Annett Zündorf, aktualisiert am 29.09.2016

Der optimale Kinderwagen ist für Kind und Eltern bequem und sicher

iStock/RapidEye

Egal ob Sie im Geschäft oder im Internet kaufen wollen: Kinderwagen ist nicht einfach Kinderwagen. Nicht nur preislich unterscheiden sich die Modelle zum Teil enorm, sondern auch in Verarbeitung, Design, Anzahl der Räder und möglichem Zubehör. Wir klären die wichtigsten Fragen.


Welcher Kinderwagen für welche­ Ansprüche?

"Vor dem Kauf sollten Eltern sich überlegen, wo sie mit dem ­Baby hauptsächlich unterwegs sein werden", sagt Swantje Water­straat, die bei der Stiftung Warentest Kinder­wagen-Tests betreut. Wer viel in der Stadt unterwegs ist und sich durch kleine Läden schlängelt, ist mit einem kompakten Wagen mit schwenkbaren Vorderrädern klar im Vorteil.

Wer eher auf un­ebenem Boden, auf Feld- und Waldwegen fährt, braucht vier große Räder und eine stabile, gut federnde Kons­truktion. Gut, wenn beide ­Eltern den Wagen im Geschäft – oder davor – probe­schieben können. So zeigt sich auch, ob der Schieber für beide in angenehmer Höhe feststellbar ist.

Wie ist man mit dem Wagen unterwegs?

Muss man mit dem Kinderwagen in die U-Bahn oder den Bus, ist man froh, wenn etwa der Lenker wenig Platz braucht und der Wagen sich gut manövrieren lässt. "Autofahrer sollten darauf achten, dass der Kinderwagen sich leicht zusammen- und aufklappen lässt und nicht zu schwer ist", so Water­straat. Für ­einige Modelle gibt es Adapter für die Autobabyschale. Praktisch für kurze Strecken vom und zum Auto, für die man nicht den ganzen Wagen aufbauen will, aber die Schale plus Baby nicht schleppen mag.


Swantje Waterstraat betreut Kinderwagen-Tests bei der Stiftung Warentest in Berlin

Stiftung Warentest

Worauf gilt es bei der Sicherheit zu achten?

Klar, es sollte schon im Laden nichts am Kinderwagen klappern oder quietschen. Darüber hinaus geben das GS- oder das TÜV-Siegel Orientierung: Sie werden von unabhängigen Ins­tituten vergeben und stehen für geprüfte Sicherheit.

"Bitte einmal mit der Nase an den Wagen gehen", rät Expertin Waterstraat. "Riecht er stechend oder stark nach Gummi, kann das ein Zeichen sein, dass er mit Schadstoffen belastet ist." Feststellbare Bremsen sind bei allen Kinderwagen vorgeschrieben. Tests zeigen aber, dass sie bei manchen Wagen nur schwer blockieren.

Was tun, wenn das Kind ins Sitz-Alter kommt?

Viele Modelle sind Kombikinderwagen. Das heißt, sie lassen sich umbauen. So kann das Baby erst auf einer flachen Ebene liegen, und später hat es einen Sitz. "Idealerweise sind die Fußstützen für den Sitz in der Länge verstellbar, sodass sie mit dem Kind mitwachsen", erklärt Swantje Waterstraat. Außerdem sollte ein Sicherheitsgurt zum Anschnallen vorhanden sein. Die Lehne sollte nicht zu kurz sein, mindestens 50 Zentimeter gelten als der Richtwert. "Sonst können größere Kinder ihren Kopf nicht mehr anlehnen", erklärt Swantje Waterstraat.

Auch ältere Kinder schlafen mal im Kinder­wagen. Deshalb sollte sich die Lehne bis zur Liegeposition verstellen lassen. Kleinere Kinder im Sitzalter fah­ren noch gern mit Blick auf Mama oder Papa, also rückwärts. Größere schauen lieber nach vorn. Gut, wenn der Sitz in beide Richtungen montiert werden kann oder der Schieber schwenkbar ist.

Doch Kombimodelle sind oft teuer. So absurd es klingt: Der Kauf eines klassischen Kinderwagens und eines zusätzlichen Buggys kann günstiger sein. Tipp: Vergleichen lohnt sich!

Was ist bei ­Joggern zu beachten?

Achtung: Nicht jeder dreirädrige Wagen eignet sich zum Joggen oder Inlineskaten, auch wenn der Hersteller ihn "Jogger" nennt. Wer Sport mit dem Kinderwagen machen möchte, sollte darauf achten, dass dieser für diesen Bereich zuge­lassen wurde.

Solche Wagen sind besonders gut gefedert, verfügen über Luftreifen und eine Handbremse. "Dreirädrige Kinderwägen können an Bordsteinkanten kippen, wenn das Rad sich wegdreht", warnt Water­straat. Dafür sind ­diese Modelle meist aber sehr wendig.

Generell gilt: Babys sollte man in den ersten Monaten nicht zum Joggen mitnehmen, sie sollten erst selbstständig sitzen können. Vorher sind die Erschütterungen beim Laufen zu groß.

Softtragetasche oder feste Wanne?

Manche Softtragetaschen werden schnell zu klein. Dafür lassen sie sich rasch aus dem Wagen nehmen und mitsamt schlafendem Kind in die Wohnung tragen. Wannen bieten oft mehr Platz, sind aber schwerer. Und sie können nur bei wenigen Modellen mit Baby, aber ­ohne Fahrgestell genutzt werden.

Lieber Luftreifen oder Hartplastik?

Luftgefüllte Gummiräder machen die Fahrt weicher. Aber sie können, wie auch ein Fahrradreifen, in den ungünstigsten Momenten einen Platten kriegen. "Luft­reifen lieber regelmäßig überprüfen und aufpumpen", rät Waterstraat.

Hartplas­tikreifen, wie sie sich an den meis­ten schwenkbaren Achsen befinden, halten jede Glasscherbe aus, die Fahrt ist aber gerade auf un­ebenem Gelände rumpeliger.

Kinderwagen für Zwillinge

Grundsätzlich gelten für einen Zwillingskinderwagen die gleichen Auswahlkriterien wie für einen Einsitzer. Aber Eltern sollten vor dem Kauf noch ein paar Dinge intensiver prüfen: Passt der Wagen ins Auto? Gibt es genügend Platz, ihn vor oder in der Wohnung ­abzustellen? Lässt er sich vom Gewicht her noch gut handhaben?

Wer Zwillinge hat, schleppt ohnehin doppelt. Da zählt bei der Auswahl des Wagens für die Kleinen jedes Gramm. Zwischen 20 und 25 Kilo wiegt alleine das Gefährt – gerade zu Beginn, wenn die Kleinen jeweils eine eigene Wanne haben. Die Kinder liegen heute in den meis­ten Wagen nebeneinander. "Auf diese Weise ist der Blickkontakt zu beiden Kindern am einfachsten", sagt Ralf Diekmann, Pressesprecher Produktsicherheit beim TÜV Rheinland in Köln.

Kinderwagen für Baby und Kleinkind

Für Familien mit Baby und Kleinkind kommen auch die klassischen Doppelwagen infrage, sagt Ralf Diekmann, aber: Die Nutzungszeit ist sehr begrenzt. "Kiddiboards sind eine gute Alternative für kurze Strecken", rät er. Die kleinen Bretter mit den Vollgummirollen lassen sich mit einem Griff an den normalen Babykinderwagen einhängen. Allerdings rollen sie nur auf glattem Untergrund. Schon auf Holperpflaster funktioniert es nicht mehr. Auch möglich: ein Fahrradanhänger.

Kinderwagen für Fahrradbegeisterte

Fahrradanhänger bieten regelmäßigen Radlern eine echte Alternative zum klassischen Kinderwagen. Es gibt sie als Einsitzer, aber auch für zwei Kinder. Die gro­ßen, luftbereiften Räder sorgen für schnelle Fahrt auf jedem Untergrund. Die meisten lassen sich zum Buggy umbauen, einige der Anhänger können mit einem großen Frontrad ausgerüstet werden. Dann sind sie auch auf steilen und holprigen Waldwegen eine sichere und komfortable Alternative zum klassischen Wagen.

Die Zweisitzer sind oft leichter als klassische Zwillings- oder Geschwisterwagen. Weil sie auch ­schmaler sind, kommt man selbst mit Kinderdoppelpack in die meis­ten Geschäfte. Beide Kinder sitzen zusammen in einem Abteil. Für neugeborene Babys gibt es Wanneneinsätze. Während dieser Zeit darf der Fahrradanhänger nur als Kinderwagen benutzt werden! Später liegen die Kinder in einer Hängematte, bis sie selbst sitzen können. Bis zum Alter von etwa fünf Jahren kann der Nachwuchs im ­Hänger mitfahren.



Bildnachweis: iStock/RapidEye, Stiftung Warentest
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