So meiden Sie Schadstoffe im Spielzeug

Es wird abgelutscht, gekuschelt, mit ins Bett genommen. Deshalb wollen Eltern, dass das Spielzeug ihres Kindes sicher und schadstoffrei ist. Worauf sie achten sollten
von Annett Zündorf, aktualisiert am 27.10.2016

Gift im Spielzeug: Vor allem weiches Plastik kann Schadstoffe enthalten

Stockbyte/RYF

Da sitzen sie in den Regalen: Teddys in allen erdenklichen Größen, Puppen aus Stoff und aus Plastik. Daneben drängen sich Holzautobahnen, Plastikbausteine, Metallautos, Wasserbälle, Knete und Brettspiele. Für Eltern ist der Gang in einen Spielzeugladen purer Stress. Hier geht es nicht nur darum, ein tolles, pädagogisch wertvolles Spielzeug zu finden. Das Spielzeug soll dem Kind auch in keiner Weise schaden. Aber zwischen unzähligen Siegeln und quengelnden Kindern fällt die Wahl schwer. Worauf kommt es an?

Plastik meiden

"Ich versuche, Spielzeug aus weichem Plastik ganz zu meiden", sagt die Chemikerin Kerstin Etzenbach-Effers von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Spielsachen aus hartem Kunststoff seien meist kein Problem, solche aus weichem PVC enthalten Weichmacher. "Diese Produkte fallen immer wieder durch Schadstoffe auf. Achten Sie auf die Hinweise PVC-frei oder wenigstens phthalatfrei." Letzteres gebe allerdings keine umfassende Sicherheit. So werden beispielsweise oft andere Weichmacher eingesetzt, zu denen es noch keine Langzeitstudien gibt. In der EU gibt es keine Pflicht, die verwendeten Materialien zu kennzeichnen. Im Internet findet man aber Händler, die freiwillig mehr Produktinformationen zu einem bestimmten Artikel veröffentlichen als vom Gesetz gefordert und beispielsweise Angaben zu Material oder Herstellungsland machen.

Sinne nutzen

Wer ein geeignetes Spielzeug gefunden hat, sollte seine Sinne nutzen. Drehen, betasten – lassen sich die Augen vom Teddy oder ein Rad vom Auto lösen? Dann könnten sich kleine Kinder verschlucken. Hängen lange Schnüre lose? Vorsicht! Die wickeln sich Kinder gern um den Hals. Ist die Nase des Kuscheltieres schief genäht oder scheint die Füllung durch den Stoff? Das kann ein Hinweis auf grundsätzlich schlechte Verarbeitung sein.

Scharfe Kanten, wulstige Nähte sowie bei leichtem Reiben abfärbende Teile sollten Eltern ebenfalls skeptisch werden lassen. "Schnuppern Sie an den Sachen und lassen Sie bei auffälligem Geruch die Finger davon", rät Etzenbach-Effers. Auch wenn nicht alle Schadstoffe riechen, sind somit doch ein paar ausgeschlossen. "Vor einiger Zeit gab es ein Bastelprodukt in zwei Ausführungen – die eine roch nicht und war aus harmlosem Silikon, die andere aus riechendem Plastik war mit Schadstoffen belastet."

Auf Siegel achten

Siegel sollen Sicherheit vermitteln. Bis zu einem gewissen Grad tun sie das – aber keines der Spielzeug-Siegel betrachtet alle Facetten.

  • CE: "Das ist für Eltern ein wertloses Zeichen", sagt Etzenbach-Effers. "Mit dem CE-Zeichen erklärt der Hersteller, dass er alle geforderten Normen einhält. Aber überprüft wird das nicht." Fehle es ganz, kenne der Hersteller oder Importeur jedoch noch nicht einmal die grundlegenden gesetzlichen Anforderungen.
  • GS: Das GS-Zeichen – "GS" steht für "geprüfte Sicherheit" – gibt an, dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten und dies auch überprüft wurde. Es ist ein verlässliches Siegel im Bezug auf Schadstoffe und technische Sicherheit, geht aber über die gesetzlichen Anforderungen kaum hinaus. "Es gibt nicht für alle gefährlichen Stoffe Grenzwerte", kritisiert Etzenbach-Effers. "So dürfen beispielsweise nicht zugelassene Biozide in Spielzeug verwendet werden." 
  • Spiel gut: Das Siegel zeichnet langlebige Produkte aus, mit denen Kinder gern spielen. Schadstoffe werden nicht betrachtet, aber grundsätzlich werden keine Produkte aus PVC prämiert.
  • ÖkoTex: Dieses Siegel sagt, dass die betreffenden Textilien auf Schadstoffe geprüft wurden.
  • GOTS: Das Siegel Global Organic Textil Standard zeichnet Produkte aus ökologischer Produktion aus, der Einsatz vieler Chemikalien ist im gesamten Herstellungsprozess verboten.

Aktuelle Tests lesen

Die Vorschriften für die Spielzeug-Sicherheit sind zahlreich. Doch immer wieder werden bei Untersuchungen verbotene Stoffe in Spielsachen gefunden. Gerade bei Knete, Fingermalfarben und Buntstiften, die Kinder in den Mund nehmen, darauf herumkauen oder ablecken, sind giftfreie Produkte wichtig. "Hier sollte man in Deutschland hergestellte Produkte bevorzugen und die aktuellen Tests von Stiftung Warentest und Ökotest lesen. Die sind verlässlich", rät Etzenbach-Effers.

Secondhand kann besser sein

Gebrauchte Spielsachen sind gerade aus ökologischer Sicht eine tolle Alternative zu neuem Spielzeug. Viele Schadstoffe haben sich längst verflüchtigt. Aber auch hier gilt die Warnung vor weichem Plastik. Gerade ältere Puppen enthalten häufig längst verbotene Weichmacher. Grundsätzlich gilt: Lieber qualitativ gutes Spielzeug secondhand kaufen, als billiges Spielzeug neu.

Altersgerechtes Spielzeug

Wer altersgerechtes Spielzeug wählt, wählt sichereres Spielzeug. Produkte, die nicht für Kinder unter drei Jahren gedacht sind, gehören auch nicht in so kleine Hände. Bis etwa Tischtennisball-groß können die Teile sein, die die Kleinen noch verschlucken können. Aber auch nach oben hin sind Grenzen wichtig: Ein Roller, der nur bis zu einem bestimmten Alter oder Gewicht zugelassen ist, hält größere Kinder nicht aus. Er könnte in Kurven kippen oder beim Bremsen ausbrechen.

Rückrufe

Finden die Überwachungsbehörden Produkte, die die gesetzlichen Grenzwerte gefährlich überschreiten oder ein Sicherheitsrisiko bergen, können sie einen Rückruf veranlassen. Diese sind beispielsweise auf der Seite www.rueckrufe.de zu finden. "Gibt es einen Rückruf, sind die Sachen meist schon in den Kinderzimmern gelandet", sagt Etzenbach-Effers. Dann bekommen die meisten Eltern Rückrufe gar nicht mit. Falls doch, können sie ihre Verbraucherrechte einfordern.

Produkthersteller reagieren auf Problemfälle im Rahmen von Rückrufaktionen sehr unterschiedlich: Manchmal bieten sie Gutscheine gegen Rückgabe des gefährlichen Produktes an, in anderen Fällen erstatten sie den vollen Kaufpreis oder bieten den Austausch gegen ein anderes Produkt an. Reparaturen werden meistens kostenlos durchgeführt. Es kommt aber auch vor, dass Verbraucher aufgefordert werden, das fehlerhafte Produkt ersatzlos zurückzugeben oder zu entsorgen.

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