Geschwisterkinderwagen: Platz für zwei

Für alle, die mit Zwillingen oder mit Baby und Kleinkind gleichzeitig unterwegs sein möchten, gibt es Doppel-Kinderwagen. Worauf Eltern beim Kauf achten sollten

von Julia Ferrat, aktualisiert am 18.04.2017

Geschwisterkinderwagen: Komfortabel unterwegs mit zwei kleinen Kindern

W&B/Martina Ibelherr

Es kommt noch eins. Oder: Es kommen gleich zwei auf einmal. Auf die sicher schönste Nachricht der Welt folgt schon bald die schnöde Frage nach dem passenden Kinderwagen. Vor allem, wenn das ältere Kind noch zu klein ist, längere Strecken zu laufen. Sogenannte Glider- oder Kiddyboards, die an einen Kinderwagen angehängt werden, eignen sich oft nur für kürzere Strecken. In Geschwisterwagen können Familien hingegen mit beiden Kindern bequem auch länger unterwegs sein. Knapp 300 Euro kosten die günstigsten Modelle, fast 1600 Euro die teuersten Varianten. Doch auf welche Kriterien kommt es an?

Schmale Tandemwägen sind praktischer

Während Kinder nebeneinander in circa 75 Zentimeter breiten Wagen sitzen, fahren sie hintereinander in gerade einmal 60 Zentimetern. Die schmaleren sogenannten Tandemwagen sind damit teilweise genauso breit wie Einkinderwagen, was im Alltag eine große Erleichterung bringt: "Mit den schmaleren Wagen kann man viel einfacher durch Supermärkte fahren, und es gibt wesentlich weniger Probleme bei öffentlichen Verkehrsmitteln", erklärt Meike Rix von der Redaktion der Zeitschrift Öko-Test in Frankfurt am Main.


Auf die häufige Kritik, dass Kinder in Tandemwagen nicht miteinander kommunizieren und Babys keinen Blickkontakt aufbauen können, haben einige Hersteller längst reagiert. Bei multifunktionalen Modellen sitzen die Kinder wahlweise in alle Richtungen: nach hinten zu Mama oder Vater schauend, wenn sie noch ganz klein sind, oder nach vorne blickend, wenn sie die Umgebung beobachten möchten. Wollen beide Kinder miteinander spielen, werden die Sitze zueinander gewandt eingesetzt. Auch Geschwisterkinderwagen lassen sich später oft noch in einen Buggy umbauen.


Norbert Vogt, Leiter der Forschungsgruppe Industrieanthropologie an der Kieler Universität

W&B/Privat

Die idealen Maße engen das Kind nicht ein

Ob neben- oder hintereinander: In jedem Fall sollten Babywanne und späterer Sport- oder Buggysitz die Kinder nicht einengen. Welches die optimalen Größen für die Kleinen sind, ermittelt die Forschungsgruppe Industrieanthropologie an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel: "Für Geschwisterkinderwagen gelten dieselben Anforderungen wie für Einkindwagen, bei denen wir bei der Babywanne eine Breite von mindestens 35 Zentimetern und bei der Länge knapp 80 Zentimeter empfehlen", erklärt Norbert Vogt, Leiter der Forschungsgruppe.

Für die Buggysitze empfiehlt der Kieler Experte: "In der Breite sollten die Sitze ebenfalls mindestens 35 Zentimeter und in der Länge insgesamt circa 80 Zentimeter messen. Damit die Kinder ergonomisch gesund sitzen, darf der Sitz nicht tiefer als circa 20 Zentimeter sein. Das beachten leider viele Hersteller nicht, und das Kind muss dann mit ausgestreckten Knien im Buggy sitzen." Außerdem wichtig: eine vollständig einstellbare Liegeposition, die geräuschlos verstellt werden kann. Praktisch ist, wenn sich die Fußstützen zusätzlich in Winkel und Länge verstellen lassen, sodass die Kleinen noch bequemer sitzen.

Bequem zu schieben und leicht zusammenzuklappen

Doch auch für die Eltern sollte der Spaziergang mit dem Kinderwagen möglichst bequem sein. "Im besten Fall ist der Griff bis zu 1,20 Meter höhenverstellbar. Mindestens aber sollte er 90 Zentimeter hoch sein, damit normal große Mütter und Väter den Kinderwagen fahren können, ohne sich bücken zu müssen", sagt Norbert Vogt. Bei den Rädern empfiehlt der Experte Luftreifen, da sie die beste Federung bieten. Sogenannte Luftkammerreifen halten Stöße ebenfalls gut vom Kind ab.


Meike Rix, Redakteurin bei der Zeitschrift Öko-Test in Frankfurt

/ÖKO-TEST Verlag

Wie einfach und klein lässt sich der Kinderwagen zusammenklappen? Eine Frage, die häufig vernachlässigt wird, in der Praxis jedoch extrem wichtig ist: "Wenn ein Elternteil mit zwei Kindern unterwegs ist und dann noch jede Menge Griffe betätigen muss, um den Kinderwagen zusammenzuklappen, ist das sehr stressig. Gefährlich wird es sogar, wenn man vor lauter Arbeit mit dem Klappen die Kinder nicht mehr richtig im Blick hat", warnt Rix.

Optimal sind daher Kinderwagen, die sich leicht und mit einem Handgriff zusammenlegen lassen und zusätzlich eine Feststellverriegelung haben. Damit der Kinderwagen dann auch in den Kofferraum passt, messen Eltern dies am besten vor dem Kauf aus. Möglicherweise ist ein Kinderwagen geeigneter, der ein viereckiges Päckchen ergibt, statt in der Länge geklappt zu werden.

Bei vielen Kinderwagen fallen die Einkaufskörbe recht klein aus. Dann heißt es selbst schleppen oder die Taschen an den Griff hängen. Das ist jedoch nicht nur unpraktisch, sondern auch gefährlich, weil der Wagen bei einer falschen Gewichtsverteilung kippen kann. Optimal sind Einkaufskörbe mit einer Größe von 40 auf 60 Zentimetern, die leicht zugänglich beladen werden können.



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