"In großen Studien kann man sehen, dass auch Verkehrsabgase Infekte und damit das Asthma begünstigen", sagt Professor Dr. Ulrich Wahn, Direktor der Klinik für Pädiatrie der Berliner Charité. "Zudem ist Tabak rauch ein erhebliches Problem für kleine Asthmatiker", ergänzt Professor Dr. Frank Riedel, Kinderarzt am Altonaer Kinderkrankenhaus in Hamburg.
Die Veranlagung zu der Atemwegserkrankung wird vererbt. Auch Björns Vater Michael (37) litt als Junge an Asthma. Björn bekam seinen ersten Anfall, als er wenige Monate alt war. "Eines Nachts konnte er plötzlich keine Luft mehr holen und lief blau an", erinnert sich seine Mutter an die schlimmen Stunden. Sie rief den Notarzt, der gab dem Kleinen ein Kortison-Zäpfchen, und ihm ging es sofort besser. Aber Björn hustete ständig, die Anfälle wiederholten sich. Die Mutter wusste bei der nächsten Attacke zwar, dass die Notfallmedikamente ihrem Sohn helfen würden, aber die Angst blieb. Häufig wächst sich Infektasthma von selbst aus. Doch darauf wollten seine Eltern nicht warten. Also fuhr die Familie ans Meer und hoffte auf die heilende Seeluft.
Frei durchatmen
Das erste Mal reiste die Familie nach Dornumersiel an die deutsche Nordseeküste. Das war im September 2005. Es waren nur vier, fünf Tage, und doch sagt Björns Mutter: "Das hat Björn richtig gutgetan." Er konnte frei durchatmen, der Husten verschwand. Von da an verbrachten sie ihre Urlaube zwei-, dreimal im Jahr an der See.
Auf Ameland, Norddeich und Egmond aan Zee baute Björn Sandburgen, suchte Muscheln und wanderte mit seinen Eltern im Watt. Dabei atmete er immer die salzhaltige Luft ein, die vom Meer landeinwärts weht. "Diese Sole löst den Schleim", erklärt Privatdozent Dr. Wolfgang Kamin, Oberarzt der Abteilung für Pädiatrische Pneumologie am Universitätsklinikum Mainz. Gleichzeitig können sich die Flimmerhärchen auf den Bronchien regenerieren und so Infekte besser abwehren. Das Reizklima hat noch einen weiteren
Effekt. "Die Kinder härten sich ab", sagt der Experte. Etliche werden zwar in den ersten Tagen krank, denn es weht ein rauer, kühler Wind. Aber: "Wenn die Kinder sich viel draußen aufhalten, werden sie robuster", erklärt Kamin.