Atemwege:
Urlaub vom Asthma

Ein Aufenthalt an der See kann die Beschwerden der Kleinen lindern

Heilende Meeresluft: Davon profitiert die ganze Familie

Björn ist im Urlaub immer der Erste. Wenn der Dreijährige merkt, dass seine Eltern mit ihm ans Meer gehen wollen, eilt er und holt seine blauen Gummistiefel, die rot-gelbe Regenjacke und natürlich Eimer und Schaufel. Lange bevor seine Mutter Karina (34) sich angezogen hat, steht Björn an der Tür und wartet. Endlich raus ans Wasser will er. Wo er Sandburgen bauen und nach Wattwürmern buddeln kann. Und wo ihn keine Luftnot überfällt. Denn Björn hat Asthma bronchiale. Deshalb fahren seine Eltern regelmäßig mit ihm an die Nordsee.

 

Zarte Kinderbronchien


Rund zehn Prozent der Kinder in Deutschland leben wie Björn mit dem sogenannten Kleinkindasthma. Wenn sie atmen, hört man ein leichtes Pfeifen, sie husten ständig und können nur schwer ausatmen. Asthma ist eine übersteigerte Reaktion des Bronchialsystems. Bei Kindern lösen es meist Allergene wie Pollen aus. Doch auch Infekte können zu Asthma führen. So wie bei Björn. Dann spricht man von Infektasthma. Eine eigentlich banale Erkältung bewirkt, dass sich die Schleimhäute der Bronchien entzünden und anschwellen. Die Folge: Die zarten Kinderbronchien verkleinern sich, Luft kann nur schwer ausströmen.

"In großen Studien kann man sehen, dass auch Verkehrsabgase Infekte und damit das Asthma begünstigen", sagt Professor Dr. Ulrich Wahn, Direktor der Klinik für Pädiatrie der Berliner Charité. "Zudem ist Tabak rauch ein erhebliches Problem für kleine Asthmatiker", ergänzt Professor Dr. Frank Riedel, Kinderarzt am Altonaer Kinderkrankenhaus in Hamburg.

 

Die Veranlagung zu der Atemwegserkrankung wird vererbt. Auch Björns Vater Michael (37) litt als Junge an Asthma. Björn bekam seinen ersten Anfall, als er wenige Monate alt war. "Eines Nachts konnte er plötzlich keine Luft mehr holen und lief blau an", erinnert sich seine Mutter an die schlimmen Stunden. Sie rief den Notarzt, der gab dem Kleinen ein Kortison-Zäpfchen, und ihm ging es sofort besser. Aber Björn hustete ständig, die Anfälle wiederholten sich. Die Mutter wusste bei der nächsten Attacke zwar, dass die Notfallmedikamente ihrem Sohn helfen würden, aber die Angst blieb. Häufig wächst sich Infektasthma von selbst aus. Doch darauf wollten seine Eltern nicht warten. Also fuhr die Familie ans Meer und hoffte auf die heilende Seeluft.

 

Frei durchatmen


Das erste Mal reiste die Familie nach Dornumersiel an die deutsche Nordseeküste. Das war im September 2005. Es waren nur vier, fünf Tage, und doch sagt Björns Mutter: "Das hat Björn richtig gutgetan." Er konnte frei durchatmen, der Husten verschwand. Von da an verbrachten sie ihre Urlaube zwei-, dreimal im Jahr an der See.


Auf Ameland, Norddeich und Egmond aan Zee baute Björn Sandburgen, suchte Muscheln und wanderte mit seinen Eltern im Watt. Dabei atmete er immer die salzhaltige Luft ein, die vom Meer landeinwärts weht. "Diese Sole löst den Schleim", erklärt Privatdozent Dr. Wolfgang Kamin, Oberarzt der Abteilung für Pädiatrische Pneumologie am Universitätsklinikum Mainz. Gleichzeitig können sich die Flimmerhärchen auf den Bronchien regenerieren und so Infekte besser abwehren. Das Reizklima hat noch einen weiteren
Effekt. "Die Kinder härten sich ab", sagt der Experte. Etliche werden zwar in den ersten Tagen krank, denn es weht ein rauer, kühler Wind. Aber: "Wenn die Kinder sich viel draußen aufhalten, werden sie robuster", erklärt Kamin.