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Alternative Medizin: Osteopathie

Osteopathie lindert Beschwerden durch Berührungen. Unter anderem soll die Methode bei Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen von Kindern helfen


Osteopathen versuchen, mit den Händen Beschwerden zu lindern

Sanft ruhen die Hände des Osteopathen auf der Haut des Patienten. Sie verharren scheinbar untätig, doch tasten sich mit leichtem Druck den Körper entlang. Dabei erfühlen sie Gelenke und Muskeln, aber auch den Verlauf von Blutgefäßen und Nervenbahnen. Die Osteopathie fußt auf der Grundlage, dass alle Organe, Gewebe, Knochen und Muskeln Bewegungen ausführen. „Sobald diese eingeschränkt sind, kommt es, abhängig vom Ausmaß, zu Störungen“, erklärt Dr. Kilian Dräger, Arzt und Osteopath aus Hamburg.

Osteopathen können die Störungen mit den Händen aufspüren – und versuchen, sie durch Berührungen zu heilen. Ein Beispiel: Manche Babys schreien viel, weil sie Schmerzen durch eine Blockade der Halswirbelsäule haben. Mit sanftem Händedruck korrigiert der Osteopath die Haltungsasymmetrie, nimmt die Schmerzen und „verhindert mögliche Fehlentwicklungen“, so Dräger.


Vor bald 150 Jahren begründete der US-amerikanische Arzt Andrew Taylor Still die Methode. Er konzentrierte sich auf die Strukturen und Bewegungen im Körper und entwickelte die Theorie, wonach Heilprozesse von innen starten. „Die osteopathischen Techniken stoßen die Selbstheilungskräfte des Körpers an und fördern sie“, erläutert Dräger.

Die Verbreitung der Osteopathie in Deutschland begann in den 1980er-Jahren. Mittlerweile steht die Therapie vor allem bei der Behandlung von Babys und Kindern hoch im Kurs. „Es ist eine sehr sanfte Methode, die individuell auf das Kind eingeht. Wegen dieser Prinzipien findet die Therapie bei Eltern großen Zulauf “, sagt Dr. Heike Philippi, ärztliche Leiterin des Sozialpädiatrischen Zentrums in Frankfurt-Mitte, die sich mit der Wirkung osteopathischer Methoden beschäftigt. Anders als etwa bei der Chiropraktik sind die Griffe sehr behutsam.

Ist die Wirkung bewiesen?

Bislang existieren wenig Studien zur Wirksamkeit der Osteopathie. „Dabei handelt es sich vor allem um Untersuchungen mit geringen Fallzahlen“, sagt Heike Philippi. Es gibt spezielle Studien, die den Einfluss der Osteopathie auf kindliche Beschwerden untersucht haben.

Mehrere Studien und Metaanalysen kommen zu dem Ergebnis, dass Osteopathie bei einer Reihe von Erkrankungen wirksam sein kann. Gute Belege gibt es vor allem für die osteopathische Behandlung von Kopfschmerzen und Beschwerden des Bewegungsapparats (Haltungsasymmetrien, Rückenschmerzen). Auch zu frühkindlichen Regulationsstörungen (vermehrtem Schreien, Unruhe, Verdauungsbeschwerden) fanden sich positive Hinweise. Osteopathen nutzen eine Vielzahl an Techniken, die Experten unterschiedlich bewerten. Kritiker stellen vor allem die Wirksamkeit der kraniosakralen Therapie infrage.  

Welche Krankheiten kann man behandeln?

Osteopathie kann Babys, Kindern und Erwachsenen bei vielfältigen Problemen helfen. „Vor allem bei funktionalen Beschwerden lassen sich mit der Osteopathie gute Erfolge erzielen“, sagt Ärztin Philippi.

Typische Beschwerden von Babys, die behandelt werden, sind asymmetrische Körperhaltungen und Störungen im Halswirbelbereich. Auch bei starker Unruhe, Verdauungsproblemen und häufigem Schreien kann Osteopathie helfen.

Kinder im Schulalter therapiert der Osteopath häufig wegen Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen. „Haltungsstörungen, wiederkehrende Nacken- und Rückenschmerzen sind ebenfalls typische Beschwerden, die osteopathisch behandelt werden können“, sagt Experte Dräger.

Eine ärztliche Überweisung ist nicht notwendig. Trotzdem sollten die Kleinen erst zum Kinderarzt. „Dieser kann ernsthafte Krankheiten ausschließen“, sagt Philippi. „In jedem Fall sollte man den Arzt über die Therapie informieren.“ Die Behandlung findet ausschließlich durch den Osteopathen statt, Eltern müssen zu Hause keine Übungen machen.

Wie viele Sitzungen notwendig sind, ist individuell verschieden und hängt vom Krankheitsbild ab. Eine Therapie kann bis zu zehn Termine erfordern. „Kinder sprechen sehr gut auf osteopathische Behandlungen an“, sagt Dräger. „Durchschnittlich sind bei ihnen nur drei Sitzungen notwendig.“

Wichtig: „Zwischen den Terminen sollten mindestens zehn Tage Pause liegen, damit die angestoßenen Heilungsprozesse ungestört ablaufen können“, erklärt Heike Philippi. Bislang übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten nicht. Private Kassen zahlen in bestimmten Fällen. Gesetzlich Versicherte zahlen je nach Dauer zwischen 50 bis 100 Euro. In einigen Städten gibt es das gemeinnützige Modell der „Osteopathischen Kindersprechstunde“, in der Kinder aus Familien mit geringem Einkommen für kleines Entgelt behandelt werden.

So finden Sie einen guten Osteopathen

In Deutschland dürfen nur Ärzte oder Heilpraktiker osteopathisch tätig sein. Allerdings ist die Weiterbildung zum Osteopathen nicht einheitlich geregelt. Eine fünfjährige Ausbildung mit 1350 Stunden gilt als gutes Qualitätsmerkmal.

Adressen von Osteopathen gibt es auf der Internetseite der Deutschen Ärztegesellschaft für Osteopathie (www.daego.de) und dem Verband der Osteopathen Deutschlands (www.osteopathie.de). Auf Kinder spezialisierte Osteopathen finden Eltern auch auf der Internetseite www.osteopathische-kindersprechstunde.de.

Hinweis: www.baby-und-familie.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten



Peggy Elfmann / Baby und Familie; 11.04.2011, aktualisiert am 19.08.2011
Bildnachweis: W&B/Silvia Lammertz

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