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Alternative Medizin: Akupunktur

Die alte asiatische Heilkunst der Akupunktur findet hierzulande immer mehr Anhänger. Was kann die Methode leisten?


Akupunktur: Mit feinen Nadeln gegen den Schmerz

Mit feinen Nadeln stechen Akupunkteure in die Haut. So sollen Energiepunkte angeregt und verschiedene Beschwerden gelindert werden. Bereits vor mehr als 2000 Jahren behandelten chinesische Ärzte ihre Patienten mit Akupunktur. Im 19. Jahrhundert gelangte die Therapieform in den Westen und wurde anfangs skeptisch beäugt. „Heute ist die Akupunktur relativ gut in das Gesundheitssystem integriert. Etwa ein Fünftel der niedergelassenen Ärzte in Deutschland bietet sie an“, sagt Prof. Dr. Claudia Witt, die an der Charité in Berlin zur Wirksamkeit von Akupunktur forscht.

Die Akupunktur beruht auf der Annahme, dass es im Körper Leitbahnen gibt, durch die Lebensenergie strömt. Auf diesen Bahnen (Meridiane) liegen sogenannte Akupunkturpunkte. Ist der Energiefluss gestört, entwickeln sich Krankheiten. Die Nadelung soll die Blockade lösen, den Patienten heilen. „Man weiß mittlerweile, dass der Körper durch das Einstechen vermehrt körpereigene Hormone bildet, die Schmerzen lindern“, erklärt Dr. Raymund Pothmann, Kinderarzt und Akupunkteur aus Hamburg.


Die Nadeltherapie ist prinzipiell schon bei Babys und Kindern möglich. Doch da das Stechen oft unangenehm ist, werden die Kleinen eher mit Akupressur oder Softlaser behandelt. Beim Lasern ersetzt ein Lichtstrahl die Nadeln, bei der Akupressur die Finger. „Kinder sprechen gut auf diese sanften Alternativen an, weil ihr Körper noch sensibel reagiert“, erklärt Pothmann. Eine andere Therapieform für Kleine ist die japanische Methode Shonishin. „Dabei verwendet der Therapeut Nadeln mit stumpfen Enden, mit denen er auf bestimmte Hautstellen drückt, klopft oder darüberstreicht“, erläutert Dr. med. Thomas Wernicke, Kinderarzt und Akupunkteur aus Hochheim.

Ist die Wirkung bewiesen?

Zur Akupunktur gibt es sehr viele Studien, die jedoch fast nur an Erwachsenen durchgeführt wurden. „Die Untersuchungen zeigen, dass sich durch die Akupunktur Beschwerden wie Kopf-, Rücken- und Regelschmerzen, aber auch Heuschnupfensymptome deutlich bessern“, sagt Claudia Witt. Die Effekte halten über sechs Monate an.

Jedoch scheinen die Akupunkturpunkte weniger relevant zu sein als bisher gedacht. Einige Untersuchungen verglichen Akupunktur mit Scheinakupunktur (Stechen an Nicht-Akupunkturpunkten). Ergebnis: Auch die Placebo-Behandlungen wirkten positiv. „Die Zuwendung des Arztes zum Patienten spielt bei der Therapie eine große Rolle“, erklärt Pothmann.

Zur Akupressur gibt es wenig Studien. Man geht davon aus, dass sie ähnlich positive Effekte hat wie die Akupunktur.


Welche Krankheiten kann man behandeln?

Akupunktur wird vor allem in der Therapie von chronischen Schmerzen eingesetzt. „Bei Kindern behandelt man Bauch- und Kopfschmerzen, bei Erwachsenen geht es vor allem um Rücken- und Gelenkschmerzen“, sagt Raymund Pothmann. Die Akupunktur kann auch bei funktionellen Problemen wie Verdauungsbeschwerden, Schlaf- und Konzentrationsstörungen helfen. „Babys, die aufgrund von Haltungs- oder Regulationsstörungen viel schreien, tut Akupunktur oder Akupressur gut“, sagt Thomas Wernicke. Auch bei Asthma, Heuschnupfen und Hausstaubmilbenallergie kommen die Nadeln zum Einsatz. „Grundsätzlich sollte man die Therapie immer mit dem Arzt absprechen“, rät Pothmann. „Die Akupunktur ist kein Allheilmittel. So sind zum Beispiel bei bakteriell entzündlichen Krankheiten Antibiotika nicht ersetzbar.“

„Die gesetzlichen Kassen erstatten die Kosten für Akupunktur bei chronischen Rücken- und Kniegelenksschmerzen“, sagt Claudia Witt. Bei anderen Indikationen muss man fast immer selbst zahlen. Eine Sitzung kostet etwa 30 bis 70 Euro. Manche privaten Kassen übernehmen die Kosten. Die Länge der einzelnen Sitzung und der Behandlung insgesamt richtet sich nach den Beschwerden.


Unsere Experten:

Dr. med. Raymund Pothmann ist Kinderarzt und Akupunkteur am Zentrum für Integra-
tive Kinderschmerztherapie in Hamburg

Dr. med. Thomas Wernicke ist Kinderarzt und Experte in japanischer Akupunktur in Hochheim bei Frankfurt

Prof. Dr. Claudia Witt ist stellvertretende Direktorin des Instituts für Sozialmedizin und Epidemiologie der Charité in Berlin



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Peggy Elfmann / Baby und Familie; 28.04.2011, aktualisiert am 11.04.2012
Bildnachweis: Strandperle/Die Bildstelle/Zimmermann Katja

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