Stress löst keine allergischen Reaktionen aus. Aber Angst, Stress, Unsicherheit und psychische Probleme haben einen großen Einfluss auf das Immunsystem und können eine allergische Reaktion erheblich verstärken. Beispielsweise leiden Kinder, deren Eltern sich getrennt hatten, dreimal so häufig unter Neurodermitis wie die Kinder von Eltern, die in einer guten Partnerschaft zusammenleben. Ein anderes Beispiel für eine psychische Komponente der allergischen Symptome sind Patienten mit einer Allergie gegen Tierhaare, bei denen bereits das Foto einer Katze eine allergische Reaktion zum Beispiel in Form von Niesanfällen auszulösen vermag. Der Körper ahmt dabei die Reaktion nach, die der reale Kontakt zu einer Katze auslösen würde. Diese Reaktionen kann der Körper verlernen, in dem der Allergiker durch eine so genannte Hyposensibilisierung langsam an das Allergen gewöhnt wird.
Untersuchungen belegen, dass sich allergische Hauterscheinungen wie zum Beispiel Quaddeln durch leichte Anspannung deutlich vergrößern und sich bei erhöhtem Stress ausdehnen. Außerdem reagieren Allergiker unter Stress noch auf weit mehr Allergene empfindlich, als ihnen selbst ursprünglich bekannt ist. Anscheinend wird durch den Stress die überschießende Immunabwehr, die bei der Entstehung von Allergien eine wichtige Rolle spielt, noch weiter gesteigert.
Aufgrund dieser Erkenntnisse sollten Allergiker neben einer angemessenen Behandlung versuchen, stressauslösende Situationen möglichst zu vermeiden. Eltern können ihren Kindern helfen, indem sie für einen geregelten Tagesablauf mit ausreichenden Ruhephasen und Rückzugsmöglichkeiten sorgen. Dazu gehören auch ausreichender, regelmäßiger Schlaf und liebevolle Zuwendung innerhalb der Familie.
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Dietrich Reinhardt,
Dr. von Haunersches Kinderspital, Universität München
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07.06.2010, aktualisiert am 16.08.2011
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