Allergien bei Kindern: Pollen

Die jährliche Heuschnupfen-Saison macht Kindern mit Pollenallergie zu schaffen. Was Sie tun können, erfahren Sie hier

von Julia Schulters, aktualisiert am 14.12.2016

Spielen in der Natur ist im Sommer für viele Kinder das Größte. Pollen aus Pflanzen und Gräsern können den Kleinen jedoch den Spaß verderben

W&B/a.collection

Sommerzeit, Leidenszeit für Pollenallergiker: Die Nase läuft, die Augen tränen, und der Rachen ist verschleimt. Rund neun Prozent aller Kinder und Jugendlichen reagieren allergisch. Beispielsweise machen ihnen im August vor allem Gräser und Kräuter zu schaffen. Besonders aggressiv: Ambrosia, eine Pflanze, die sich immer stärker hier ausbreitet.


Rechtzeitig erkennen und behandeln

Atmen Allergiker die Pollen ein, produziert ihr Körper übermäßig viele IgE-Antikörper. Das sind Immunstoffe, die ihr Organismus gebildet hat, als er zum ers­ten Mal mit den Pollen in Berührung kam. Bei einem Zweitkontakt lösen die Anti­körper die typischen Beschwerden aus. "Der Leidensdruck ist vor allem in der warmen Jahreszeit bei vielen Betroffenen sehr hoch", sagt Prof. Dr. med. Ludger Klimek, Leiter des Zentrums für Rhinologie und Allergologie in Wiesbaden.

Deshalb ist es wichtig, eine Pollenallergie rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Denn wer als Kind den Besuch beim Allergologen auf die lange Bank schiebt und nichts gegen den Heuschnupfen tut, der riskiert auf Dauer einen sogenannten "Etagenwechsel". In so einem Fall entwickelt sich aus der Allergie ein allergisches Asthma.

Pricktest gibt Aufschluss

Ludger Klimek rät Eltern daher, mit ihren Kindern unbedingt zum Arzt zu gehen, wenn sie den Verdacht haben, dass die Kleinen an einer Pollenallergie leiden. Ein einfacher Hauttest, der sogenannte "Pricktest", gibt Aufschluss darüber, welche Art von Blütenstaub die Beschwerden verursacht. Um ­diese zu lindern, verschreiben Ärzte meist Medikamente mit antiallergischen Wirkstoffen. Häufig werden sie als Nasenspray, Augentropfen, Saft oder Tablette angewendet. Gegen die Entzündung der Schleimhäute helfen Präparate mit kortisonähnlichen Substanzen.


Heuschnupfen: Tipps für den Alltag

Prof. Dr. med. Albrecht Bufe ist Allergologe und Kinderarzt an der Ruhr-Universität in Bochum

W&B/Privat

Interview: "Heuschnupfen wächst sich nicht aus"

Herr Professor Bufe, können Pollenallergiker ihren Heuschnupfen irgendwann auch wieder loswerden?
Ein Heuschnupfen wächst sich in der Regel nicht aus. Wer als Kind auf Pollen allergisch reagiert, tut dies meist auch im Erwachsenenalter. Mit einer Hyposensibilisierung kann man Heuschnupfen dauerhaft gut in den Griff bekommen und Beschwer­den deutlich abmildern. Und sie kann bei Kindern verhindern, dass sich aus der Allergie ein Asthma entwickelt. Der beste Therapie-Start ist der Herbst. Daher sollte man jetzt daran denken, einen Termin beim Arzt zu vereinbaren.

Was genau passiert dabei?
Die Allergenextrakte werden in langsam steigenden Dosen über etwa drei Jahre regelmäßig unter die Haut gespritzt. So entwickelt das Immunsystem den Pollen gegenüber eine gewisse Toleranz. Für Gräser­pollen-Allergiker gibt es die Aller­genextrakte auch in Tablettenform.

Drei Jahre spritzen – das klingt mühsam. Können Allergiker auf leichtere Therapien hoffen?
Zurzeit versuchen Forscher, die Allergenextrakte so zu verändern, dass sie nicht mehr so häufig ver­abreicht werden müssen. Außerdem werden neue Darreichungsformen wie Pflaster getestet.



Mutter mit Kleinkind auf dem Schoß am Laptop

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Mutter mit Kind arbeitet vor dem Laptop

Entwicklungsnewsletter

Erhalten Sie alle zwei Wochen Infos zum ersten Lebensjahr Ihres Kindes »

Serie Allergien bei Kindern

Honigbienen

Teil 1: Insektengift

Bienen- und Wespenstiche können generell schmerzhaft sein. Gefährlich ist, wenn das Immunsystem überreagiert »

Geben Sie Ihrem Kind homöopathische Mittel?

Teilen Sie sich die Elternzeit mit Ihrem Partner?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages