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Allergien bei Kindern: Insektengift

Bienen- und Wespenstiche können generell sehr schmerzhaft sein. Gefährlich wird es, wenn das Immunsystem dabei überreagiert


Der Stich von Bienen oder anderen Insekten wie Wespen, Hummeln oder Hornissen ist meist ungefährlich. Bei einer Insektengiftallergie kann er jedoch tödlich sein

Der kleine Stachel hat es in sich: Wenn Wespen, Bienen, Hummeln oder Hornissen zustechen, müssen selbst Tapfere ihre Zähne zusammenbeißen. Die Haut wird rot, sie schwillt an, und ein brennender Schmerz durchfährt die Einstichstelle. „Eine typische Reaktion unseres Körpers, die bei fast jedem auftritt“, sagt Professor Carl-Peter Bauer, Kinderarzt und ärztlicher Direktor der Fachklinik Gaißach. Ein Zeichen für eine Allergie ist das aber noch nicht, selbst wenn die Schwellung etwas größer ausfällt. Echte Insektengiftallergiker reagieren meist deutlich heftiger auf das Gift, das die kleinen Summer in ihren Stacheln haben. „Ein Ausschlag am ganzen Körper, Kreislaufbeschwerden und Atemnot sind die typischen Beschwerden“, so Bauer. Gerade bei Kindern kommen solche Symptome zum Glück selten vor. Im Extremfall aber können Allergiker einen anaphylaktischen Schock erleiden, also in einen lebensbedrohlichen Zustand geraten, in dem der Blutdruck plötzlich stark abfällt.

Insektengiftallergie: Bei Symptomen sofort Notarzt verständigen

Deshalb ist es wichtig, eine Insektengiftallergie so früh wie möglich zu erkennen und zu behandeln – und bei den ersten möglichen Anzeichen sofort den Notarzt zu verständigen! Auch wenn sich die Schwellung nach einem Stich allmählich über zwei Gelenke ausbreitet, länger als eine Woche bestehen bleibt oder ein Ausschlag am ganzen Körper auftritt, ist der Arzt (im Zweifel der Notarzt!) gefragt. Ein Allergologe kann Haut- und Bluttests vornehmen, um zu klären, ob tatsächlich eine Allergie vorliegt. Er überpüft, ob der Körper verstärkt IGE-Antikörper gebildet hat; das sind  körpereigene Abwehrstoffe, die an der allergischen Reaktion ­beteiligt sind.

Bei einer Allergie bildet der Körper bereits beim ersten Kontakt mit dem Insektengift übermäßig viele IGE-Antikörper. Bei einem erneuten Stich schüttet er dann spezielle Botenstoffe aus, welche die Symptome verursachen.


Insektengiftallergie: Tipps für den Alltag

  • Im Freien nur Trinkgläser mit Strohhalm benutzen. So vermeiden Sie, dass Insekten beim Trinken in den Mund gelangen. Denn ein Stich in die Luftröhre kann auch für Nichtallergiker lebensbedrohlich sein.


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  • Im Sommer barfuß durchs Gras zu laufen, ist herrlich. Im Klee tummeln sich aber gerne Insekten. Und die stechen zu, wenn man auf sie tritt. Tragen Sie deshalb beim Wiesenspaziergang stets feste Schuhe.


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  • Für einen Insektengiftallergiker kann schon ein einziger Stich tödlich sein. Bei den ersten Symptomen ­unbedingt den Notarzt unter der Nummer 112 rufen!


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  • Menschen, die auf Insektengift allergisch reagieren, sollten ein ­Notfallset dabei­haben. Es besteht meist aus einer Adrenalinspritze, einem Cortisonsaft, einem anti­allergischen Mittel und einem bronchienerweitern­den Inhalier-Spray. Lassen Sie sich die Anwendung von Ihrem Arzt gut erklären.


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Professor Thomas Fuchs ist Allergologe an der Hautklinik der Universitätsmedizin Göttingen

Interview: „Ein allergischer Schock ist ein Notfall“

Herr Fuchs, dürfen Insektengiftallergiker im Sommer das Haus nicht mehr verlassen?
Natürlich dürfen sie das. Aber sie müssen vorsichtig sein. Insektengiftallergien sind zu Recht ge­­­­­­­fürchtet, weil sie lebensbedrohlich sind.

Welche Therapien gibt es?
Ein allergischer Schock ist ein Notfall und muss im Krankenhaus behandelt werden. Die einzige Möglichkeit, eine Insektengiftallergie dauerhaft in den Griff zu bekommen, ist die Hyposensibilisierung. Dabei spritzt der Arzt das Gift in langsam steigenden Dosen unter die Haut. Die Behandlung muss mindestens drei Jahre lang erfolgen. Danach reagieren die meisten nicht mehr allergisch auf das Insektengift.

Können denn auch schon Kinder behandelt werden?

Ab vier Jahren können und sollten Kinder hyposensibilisiert werden. Eltern sollten aber darauf achten, dass nur ein erfahrener Allergologe die Behandlung durchführt.

Wie sicher ist die Behandlung?
Die Extrakte für die Hyposensibiliserung werden qualitativ immer besser. Da die Behandlung unter ärztlicher Aufsicht erfolgt, ist das Komplikationsrisiko bei einer Hyposensibilisierung sehr gering.




Bildnachweis: Fotolia/ Irochka

Julia Schulters / Baby und Familie; 30.08.2011, aktualisiert am 03.01.2014
Bildnachweis: Fotolia/ Irochka

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Serie Allergien bei Kindern

Teil 1: Insektengift

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