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Fragen an die Experten: Kinderkrankheiten
ADHS – Hyperaktive Kinder

Kann man sagen, dass Autismus sozusagen das Gegenteil eines ADHS ist?

Mutter mit Baby

Ist mein Baby auch wirklich gesund?

Nein. Auf den ersten Blick mag es so erscheinen. Das Kind mit ADHS erscheint lebhaft und extravertiert, das autistische Kind in sich zurückgezogen. Es handelt sich jedoch nicht um zwei gegenteilige, sondern genau genommen um zwei grundverschiedene Krankheitsbilder. Dies insbesondere wegen ihrer andersartigen Ursache, Auswirkung, Therapiemöglichkeit und Entwicklungsaussichten (Prognose). 

Autismus ist eine schwerwiegende Erkrankung, bei der die soziale Beziehungsfähigkeit massiv beeinträchtigt ist. Nur fünf bis fünzehn Prozent der Betroffenen erreichen eine gesellschaftliche Eingliederung mit eigenständiger Lebensführung. Autistische Kinder fallen überwiegend schon im Säuglingsalter durch ihr Verhalten auf. Sie treten nicht oder kaum in Blickkontakt mit ihrer Bezugsperson, zeigen mehr Interesse an Gegenständen als an Personen und ziehen sich auf sich selbst zurück. Die sprachliche Entwicklung ist bei Kindern mit Autismus beeinträchtigt, ihre Fähigkeit zur Kommunikation gestört. Meist beharren sie auf täglich sich wiederholenden Routinehandlungen und zeigen Widerstand gegen Veränderungen.

Die Ursachen sind letztendlich unklar. Verschiedene kleinere Genveränderungen (sogenannte Chromosomenmutationen) sind bereits mit Autismus in Verbindung gebracht worden. Für eine erbliche Ursache spricht auch, dass bei Erkrankung eines nahen Verwandten eine 80-fach höhere Wahrscheinlichkeit für weitere Erkrankungsfälle in der Familie besteht. Als Ursachen diskutiert werden auch entzündliche Veränderungen im Gehirn sowie Fehlfunktionen einzelner Hirnnervenzellen. Außerdem ist das Risiko für Autismus erhöht, wenn zum Beispiel ein Elternteil an einer Schizophrenie erkrankt ist.

Der therapeutische Ansatz bei Autismus im frühen Kindesalter stützt sich im wesentlichen auf heilpädagogische Maßnahmen zur Förderung der Sprache und des Kontaktverhaltens. Die Prognose bleibt jedoch auch bei früh einsetzender Behandlung ungünstig.



Dr. med. Christa Kappler,
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Dietrich Reinhardt,
Dr. von Haunersches Kinderspital, Universität München



Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden. Aber diese Informationen können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten und Ihnen ergänzende Hinweise liefern.
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www.baby-und-familie.de; 19.11.2008, aktualisiert am 26.06.2010
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