Welche Ursachen sind heute am ehesten in der Fachwelt akzeptiert?
Bei ADHS gibt es eine erbliche Veranlagung
Als wesentliche Ursache für die Entwicklung eines ADHS gilt eine fehlerhafte Informationsverarbeitung im Gehirn. Der "Systemfehler" hängt mit einer Störung im Hirnstoffwechsel zusammen. Betroffen ist der Nerven-Botenstoff Dopamin, der für die Weiterleitung von Informationen und Reizen zwischen den Nervenzellen zuständig ist.
Bei Kindern mit ADHS ist der Dopaminstoffwechsel verändert. Es kommt zu einer Reizüberflutung: Ständig neue Reize und Impulse stören die Aufmerksamkeit und Konzentration.
Wie sich die Erkrankung letztendlich ausprägt, ist jedoch sehr stark von den jeweiligen Umgebungsbedingungen und Familienverhältnissen abhängig. Eine strukturierte und liebevolle Umgebung wirkt günstig auf den Verlauf und die Ausprägung des ADHS. Ein ungeordneter Tagesablauf, Vernachlässigung, chaotische unzuverlässige Beziehungen oder belastende Lebensereignisse können bei anfälligen Kindern auslösend oder verstärkend wirken. Ist allerdings die vererbte Anfälligkeit sehr stark ausgeprägt, so entwickelt sich in jedem Fall ein ADHS.
Dr. med. Christa Kappler,
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Dietrich Reinhardt,
Dr. von Haunersches Kinderspital, Universität München
Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden. Aber diese Informationen können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten und Ihnen ergänzende Hinweise liefern.
Die medizinische Wissenschaft entwickelt sich ständig weiter und führt zu neuen Erkenntnissen in Diagnostik und Therapie. Die hier gemachten Angaben entsprechen dem Wissensstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Beantwortung individuell eingesandter Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.
www.baby-und-familie.de;
19.11.2008, aktualisiert am 26.06.2010
Foto: W&B/ Jakob
Anzeige